Magma

Die Erde schlägt mit seismologischen Waffen zurück.

Wurde da nicht erst neulich die Welt von einer intelligenten Lebensform aus der Tiefsee bedroht - ja, die Welt hat es überlebt. Nicht, dass ihr deshalb eine Pause gewährt würde.

Auch diesmal hat das Grauen seinen Ursprung in der Tiefsee. Nur sind es keine wurmartigen Lebewesen die nach unserem Leben trachten (»Der Schwarm«), sondern Steinkugeln, die sich kollektiv auf der Erde postieren, miteinander kommunizieren und schließlich seismologische Katastrophen - sprich Erdbeeben etc. - auf der Welt auslösen. Erneut treffen sich Wissenschaftler und versuchen eine Lösung für das Problem zu finden.

Konsequenterweise ist auf dem Buchumschlag auch ein empfehlendes Zitat Schätzings vorhanden: »Ein spannender Mix aus Fakten und Fiktion. Magma wird Sie nicht mehr loslassen!« Moment, ich sehe mal eben nach, ob Schätzing irgendwie mit den Knaur-Verlag verbunden ist ... tatsächlich: über die Verlagsgruppe Holtzbrinck. Verdammte fusionierte Verlagswelt - so kann ich die lobenden Worte natürlich nicht ganz ernst nehmen.

Zeit also, mir das Buch selbst anzugucken. Der Umschlag ist erschlagend - und passt ins Bücherregal wunderbar neben Thiemeyers Vorgänger »Medusa« und »Reptilia«. Da ist der lavauntermalte Titel und die mit einem 3D-Programm unstimmig an einen nächtlichen Strand gesetzten Lavakugeln, kurz vorm explodieren stehend - vom Autor übrigens selbst illustriert. Der nächste Blick fällt auf das Autorenfoto. Sieht nett aus, trägt eine Brille und hat Geographie und Geologie studiert. Das befähigt ihn wohl, einen seismologischen Thriller zu schreiben.

Dann lese ich die ersten Zeilen. Herr Thiemeyer liebt kommareiche Schachtelsätze, was ihn mir zunächst nicht zum Freund macht. Auch seine Fähigkeiten fantasievolle Vergleiche zu ziehen halten sich in Grenzen.

Doch dann kommt ein guter Satz. Humorvoll und treffend - er hat mich erstmal. Was auch daran liegen kann, dass die Spannung schon auf Seite drei beginnt. Und der gerade erst vorgestellte Protagonist mit einem »letzten animalischen Schrei« qualvoll zu Tode kommt. Genretypisch. Dann die bewährte Mischung Spannung + wissenschaftliche Fakten, auch genretypisch. Wer sich jedoch in Hollywoods Vulkan-Katastrophen-Repertoire etwas auskennt, wird nicht viel Neues lernen.

Das Buch hat den Frank Schätzing/Dan Brown-Effekt: literarisch zweifelhaft, aber sehr unterhaltsam. Und da es genau das ist, was ich von diesem Buch erwartet habe, bekommt es für seine spannende Story eine gute Note. Bleibt nur noch die Frage: Was haben wir von Herrn Thiemeyer nach »Medusa« (Archäologie), »Reptilia« (Paläontologie) und »Magma« (Seismographie) als nächstes zu erwarten? »China« (Sinologie), »Anatoma« (Humanbiologie) oder »Signala« (Nachrichtentechnik)? Was es auch wird - ich freue mich drauf.

Magma
Veröffentlicht:
Medium:
Buch
Autor:
Thomas Thiemeyer
Verlag:
Knaur
Kommentar:
Junge Wissenschaftlerin rettet Welt
ISBN:
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