Die dritte Jungfrau

Kommissar Adamsberg sechster Fall - literarischer Kriminalroman als Hörspiel mit 2 CDs

Ich höre gerne abends vorm Schlafengehen ein spannendes Hörbuch. Das soll auch gar nicht anspruchslos sein. Im Gegenteil - gerade "schwierige" Literatur liest sich viel besser, wenn man nicht selbst lesen muss. Niveauvoll und komplex seien auch die Kriminalgeschichten von Fred Vargas.

Aber wie haben es die Produzenten geschafft, das 480-seitige Buch von »Die dritte Jungfrau« auf nur zwei CDs zu pressen, ohne Sinn und Atmosphäre einzubüßen? Genau darin liegt für mich das Problem - sie haben es scheinbar nicht geschafft.

Fred Vargas (Pseudonym der französischen Schriftstellerin Frédérique Audoin-Rouzeau) schreibt, sagt man, surreal - kann ich nur bestätigen, surreal ist die Geschichte tatsächlich. So surreal, dass (bei dieser Vertonung) Passagen zwar spannend sind, aber irgendwie zusammenhangslos hintereinander gereiht. Plötzlich eine Rückblende - der Hörer stößt mitten in einen Dialog, dann ein Ortswechsel - aber sind wir nun wieder in der Gegenwart?

Mit einem Mal geht es um irgendwelche toten Hirsche und Jungfrauen - wie es dazu kam habe ich gar nicht richtig mitbekommen.

Dazwischen Sequenzen, in denen Ermittler Adamsberg mit seinem Baby (man hört einen quitschenden Säugling) über ein weißes Kamel oder braune und rote Hirsche spricht (eine Anspielung auf sich selbst und einen rothaarigen Kollegen, wenn ich das richtig verstanden habe?).

Schon ist CD 1 vorbei und CD 2 beginnt mit einem polizeilichen Brainstorming über Knochen in Katerpenissen und Schweinerüsseln. Ich liege da und frage mich was da eigentlich passiert. Und ich hab das mehrmals gehört, auch ohne schläfrig zu sein, ich dachte daran liegt das.

Dann fällt es mir auch noch schwer, die Figuren akustisch auseinanderzuhalten (bis auf Adamsberg, der dank seines Namens und einer schrillen Sprechstimme heraussticht).

Um die Geschichte doch noch zu verstehen habe ich schließlich eine Inhaltszusammenfassung von Amazon gelesen - aber die ist genauso verwirrend: " [...] dann wird auch noch ein Hirsch gefunden, dem man das Herz herausgerissen hat. Und dann liegen an der Port de la Chapelle noch zwei männliche Leichen mit durchgeschnittener Kehle, die offenbar zuvor nach irgendetwas gegraben haben müssen. Adamsberg bleiben zur Aufklärung des Doppelmordes nur wenige Tage Zeit. Denn seine Vermutung klingt so aberwitzig, dass ihm seine Vorgesetzten nicht mehr folgen wollen [...]". Soviel habe ich auch mitbekommen.

Für Kenner der Vorlage ist dies (sicherlich) eine kompakte und wirklich gut gemachte Vertonung. Für mich, die ich zum ersten Mal mit Fred Vargas und Kommissar Adamsberg in Berührung komme, ist dieses Hörspiel eine verwirrende Aneinanderreihung von Szenen, die zwar literarisch ausgefeilt und spannend klingen, aber verstehen tu' ich's nicht.

Die dritte Jungfrau
Veröffentlicht:
Medium:
Hörspiel
Autor:
Fred Vargas
Kommentar:
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ISBN:
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