Wissen

Zukunft Gehirn

Lernen, Sprache, Emotionen, Krankheiten, Träume, Ethik und der freie Wille

»Und, was liest du gerade?« – »Zukunft Gehirn.« Ist nicht Stieg Larsson, klingt auch ziemlich blöd. Sucht man sich nicht unbedingt aus, als Freizeitlektüre. Schon das Umschlagmotiv, die eingefärbten Hirnareale. So ein Gehirn ist auch nicht besonders schön, und eigentlich möchte ich mir nicht permanent vergegenwärtigen, dass das Ding in meinem Kopf schwimmt.

Es steht fest: das Gehirn steuert uns, seien es Entscheidungen, Emotionen, oder die Partnerwahl. Man hört sogar, dass wir das gar nicht selbst beeinflussen können, keinen freien Willen haben. Ich wollte wissen, wie das funktioniert.

Das vorliegende Buch ist ein Lesebuch über das Gehirn. […] Die Kapitel greifen einzelne relevante oder auch besonders faszinierende Aspekte der Gehirnforschung auf und versuchen so dem Leser, gewissermaßen Häppchenweise, moderne Hirnforschung nahezubringen.

Mir ist neulich bewusst geworden, dass ich mir elementare Dinge unseres Daseins und Denkens nicht erklären kann, das Erinnern, das Entscheiden, oder einfach Dinge wie Spazierengehen, während ich das Handy am Ohr hab und gleichzeitig zum Beispiel ein Feuerzeug in meiner Tasche suche. Tatsächlich eine Hochleistung, die kein menschengebauter Computer zu leisten vermag, laut dem Lese-Fachbuch, geschrieben von »Spitzenwissenschaftlern der Max Planck Gesellschaft«.

Der Robo-Rezeptor ist bereits auf den Axonen der Kommissurenzellen angereichert, wird aber zunächst durch einen Antagonisten daran gehindert, die wachstumshemmende Funktion von Slit zu vermindern. Erst nach Überquerung der Mittellinie wird der Antagonist abgeschaltet, und der Robo-Rezeptor fördert die Abstoßung von der Mittellinie; gleichzeitig sorgt die Aktivität von Robo dafür, dass der attraktive Netrinrezeptor, der ebenfalls auf den Axonen der Kommissurenzellen angereichert ist, blockiert wird.

OK, das erste Kapitel muss man überstehen, es erklärt die Funktion und Entwicklung des Gehirns. Ist auch nicht zu erwarten, dass das einfach ist. Zum Glück sind alle Kapitel unabhängig voneinander lesbar (Inhaltsverzeichnis und Leseprobe).

Wer mehr über sein Gehirn erfahren will, muss sich auch von einigen Vorstellungen verabschieden können, so ist beispielsweise Farbe ein Konstrukt des Gehirns, und generell generiert das Gehirn eine interne Repräsentation der Welt, eine reine Einschätzung der Wahrheit, derer “limitierten Natur” man sich stets bewusst sein sollte – wenn man glaubt, einen Sachverhalt ganz sicher so gesehen zu haben, beispielsweise.

Ein spannendes, faszinierendes Buch, nicht ganz einfach, aber bei konzentriertem Lesen immer nachvollziehbar. Ich habe es mit in den Urlaub genommen und kaum aus der Hand gelegt. Mit Sicherheit kann ich mir nur wenig davon merken – und noch weniger erklären – während des Lesens machen aber selbst kryptische Aussagen wie diese Sinn: »Zeit ist manchmal Raum und manchmal nicht. Bewusst können wir das nicht steuern.«

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