Dead Beautiful – Deine Seele in mir

Von Untoten, Lateinunterricht und verbotenen Küssen

Sie ist seine Liebe. Er ist ihr Tod.
Hinter dieser Werbebotschaft ist wohl eine moderne Liebesgeschichte zu erwarten, in ihrer Art vom Bücherauslagetisch gar nicht mehr wegzudenken, seit 2005 der erste Band von Stephenie Meyers Twilight-Quadrologie erschien. Mit vielen erfolgreichen Nachahmern.

Ein Vampir, Werwolf, Untoter, Dämon, … durch Tod oder sonstige eigentlich eher gruselige Andersartigkeit mit ausgeprägtem Charme, hervorstechender Attraktivität, physischer Stärke und Unsterblichkeit ausgestattet, verliebt sich in eine Sterbliche im Teenie-Alter, normal-hübsch, unschuldig, tolpatschig, die wegen irgendwelcher familiärer Umstände aus sonniger Gegend in eine kalte, regnerische, grundsätzlich unwirtliche Umgebung umziehen muss. Schauplatz: Schulhof.

Die Sorge, die geliebte Lebende in das eigene ungesunde Umfeld zu ziehen, sorgt für viele dramatische Wendungen, samt lebender und untoter Antagonisten, die die Verbindung nicht in Ordnung finden und die Beziehung zu unterwandern versuchen. Am Ende steht das Happy End, was bedeutet, dass die Lebende untot (tot? Jedenfalls nicht mehr lebendig im klassischen Sinne) wird – denn sonst gäbe es ja keine gemeinsame Zukuft. Man hat sich irgendwie arrangiert und ist nun gemeinsam attraktiv, stark und für immer ein Teenager.

Die amerikanische Autorin Yvonne Woon ist auf diesen Trend gesprungen und hat einen Roman nach genau diesem Schema geschrieben. Das lässt sich nicht verurteilen, denn folgt man diesem Schema, kann schreiben und hält die Spannung aufrecht, dann ist der Erfolg bei der riesgien Fangemeinde sicher, welche die vier Twilight-Bücher verschlungen hat – auf der Suche nach neuem Stoff. Ich habe auch ein Buch von Stepenie Meyer auch gelesen, die Mischung aus Grusel und Romantik hält am Ball. Inzwischen bin ich vermutlich aus dem Alter raus, kein Teenager mehr und kein Bedürfnis, es bis in alle Ewigkeit zu sein. Keine Sehnsucht nach einem schönen, gut erzogenen Untoten. Die Frage ist also, ob dieser neue Roman der Zielgruppe gefallen wird.

Die Parallelen zur Twilight-Reihe sind auffallend. Für Insider: Yvonne Woons “Dante Berlin” (was für ein Name!) ist das Pendant zu Edward Cullen in der Twilight-Serie, Renée Winters nimmt Bella Swans Rolle ein. Auch Dead Beautiful wird von der Protagonistin in der Ich-Form erzählt.

Zum Inhalt: Am Gottfried Institut, gelegen im nördlichen Teil des US-Bundestaats Massachussetts (rechts oben auf der Karte), ist Dante Berlin das Objekt der Begierde der weiblichen Schülerschaft.

Er war schön. Nicht schön wie ein Monet oder schön wie ein weißer Sandstrand, auch nicht schön wie der Grand Canyon. Er war überwältigender und zugleich zarter. Wie in den Nachthimmel zu starren und sich im Vergleich unglaublich klein zu fühlen. Wie eine Muschel in der Hand zu halten und sich zu fragen, wie die Natur etwas so Komplexes und doch Vollkommenes hervorbingen kann: seine Augen, dunkel und tief; seine wirren braunen Haare, die er sich hinter das Ohr gesteckt hatte; seine muskulösen Arme.

Kein Mädchen hat je das Interesse des vollkommenen Wesens erregt – bis Renée an die Elite-Schule versetzt wird. Renée Winters wächst behütet in Kalifornien auf. An ihrem sechzehntem Geburtstag werden ihre Eltern grausam ermordet. Der Großvater entscheidet, Renée auf das eigenwillige Elite-Internat zu schicken, in dem Latein und Gartenkunde Pflichtschulfächer sind. Renée und Dante fühlen sich sehr voneinander angezogen und sind bald ein Paar. Aber Dante ist natürlich kein normaler Schüler – wieso ist ein Kuss zwischen den beiden unmöglich? Auf 480 Seiten geht es nun darum, auf diesen Kuss zu warten, die Geheimnisse Dantes’ zu entdecken (der Buchtitel verrät hier eigentlich schon alles) und auch seltsame Todesfälle auf dem Internatsgelände zu erforschen.

Das Buch ist nett geschrieben, aber es ist einfach eine Variante der Twilight-Bücher, nur ohne Vampire und Werwölfe. Die Figuren haben keinen Eindruck auf mich gemacht, vielleicht weil ich sie schon kannte. Gelesen und vergessen. Was Neues nach Twilight gibt’s hier also nicht, aber das kann ja auch gut sein: wer nach den vier abgeschlossenen Twilight-Büchern nochmal dasselbe lesen möchte, hat Freude an Dead Beautiful.

Abseits vom Thema: sehr lustig ist der Flyer der dem Buch beliegt. Neben der Werbung zu diesem Buch (“Denn ein Kuss zwischen den beiden würde Renées Tod bedeuten …”) gibt es auch das Buch “Mein fahler Freund”.
Schön zusammengefasst: “Bei einem seiner Raubzüge” – er ist ein Zombie – “trifft R auf Julie. Er verspeist das Hirn ihres Freundes und verliebt sich in sie …”. Stephenie Meyer wird prominent auf dem Umschlag zitiert: “Ich hätte nie gedacht, dass ich mich so leidenschaftlich in einen Zombie verlieben könnte!”

Na denn.

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