Allein über den Atlantik

Mein Abenteuer mit MAVERICK. Johannes Erdmann segelt von Lissabon in die Karibik - mit 19 und allein

Allein über den Atlantik

Das wäre ja nun gar nichts für mich. Das Meer. Auf einem Boot. Und dann noch allein. Ich bekomme es schon im Baggersee mit der Angst zu tun, wenn unter mir unergründliche Tiefe (Baggerseen können unwahrscheinlich tief sein!) und schmieriger Algenbefall lauert. Und wer weiß, was da für Riesenfische leben, eventuell mit Zähnen?

Papa, ich möchte mit der Shark über den Atlantik segeln

Aber es geht hier ja nicht um mich, sondern um einen jungen Mann, der sich nach seinem Abitur sagte: so, jetzt überquerst du erstmal den Atlantik. Der Traum einer Segelreise entstand aber bereits im Kopf des zehnjährigen Johannes Erdmann, auf den bald ein erstes kleines Boot folgte. Schiffbau sollte nach dem Abitur studiert werden – bei der frühen Begeisterung nicht weiter verwunderlich. Außergewöhnlich ist aber, was die Zeit bis dahin ausfüllen sollte.

»Papa, ich möchte mit der Shark über den Atlantik segeln«. Aber nicht klammheimlich. Also klebte der – zu diesem Zeitpunkt zumindest auf dem Foto noch sehr blasse und schüchterne – Johannes Erdmann den Schriftzug www.allein-auf-see.de auf seine MAVERICK und kümmerte sich um Sponsoren. Nebenher suchte er sich auf eBay die erforderlichen Einzelteile beisammen, baute sie ein – und stach am 23. Oktober 2005 in See.

Seine Reise sollte ihn auf ganz ähnliche Spuren wie Kolumbus treiben: von Lissabon über Madeira, Gran Canaria, und- nach Tausenden Seemeilen auf einsamer See (inklusive nervenzerreibender Sturmwarnungen) – bis nach St. Luca (von wo er gar nicht mehr weg wollte). Schließlich reiste er aber doch weiter, hoch nach Miami und bis Charlston. Nun hieß es Abschied nehmen von seiner MAVERICK – sie wurde verkauft.

Aus dem blassen Jungen ist ein attraktiver junger Mann geworden, lang sind die Haare und selbstbewusst das Lächeln. Das Studium wartet, vorbei ist »eine Zeit, in der ich so frei war, wie ich vermutlich nie wieder in meinem Leben sein werde, in der ich die Möglichkeit hatte, einfach Ankerauf zu gehen und dorthin zu segeln, wohin ich wollte.«

Schlicht und sachlich geschrieben, zeugt dieses Buch von einem unbekümmerten Jungendlichen, der sich auf eine beeindruckenden Reise wagt, mit sich selbst konfrontiert, erwachsen wird und schließlich mit unschätzbarem Erfharungsreichtum heimkehrt. Ein beneidens- und bewundernswertes Abenteuer – geschrieben für jeden Segler, aber villeicht auch gerade für ängstliche Landratten wie mich.

Hinterlasse einen Kommentar