Das Flandrische Siegel

Marie Cristens süffig-seichte Mittlelalterunterhaltung in dritter Runde

Das flandrische Siegel: Roman

Ich mochte den Vorgänger Die Stunde des Venezianers nicht übermäßig: flache Figuren, die rollentypisch handeln. Das einmal in Kauf genommen, war es eine recht süffige mittelalterliche Unterhaltung, gerade so spannend das die Zeit schnell vergeht und dabei leicht und seicht, um stets wachsam genug zu sein, die Haltestelle nicht zu verpassen.

In Das flandrische Siegel, dem dritten Buch ihrer vierteiligen »Flandern-Saga«, nimmt Marie Cristen die Familienfäden wieder auf. Es gibt ein Wiedersehen mit Aimée, der klugen eigenwilligen Schönen aus der Stunde des Venezianers, die mit besagtem Venezianer mittlerweile für Nachwuchs gesorgt hat und nun als gutmütige Großmutter wiederkehrt. Ihre angestammte Rolle als widerspenstige Heldin nimmt nun Enkelin Christina ein, die sich nicht in eine Ehe mit dem groben Hendrik van der Molen drängen lassen möchte und stattdessen Pläne schmiedet, mit ihrem Geliebten Daniel und Freundin Hannah nach Venedig zu fliehen. Christinas Bruder Lucas, der als verkannter, talentierter Maler seinerseits gute  Gründe hat in Venedig das Glück zu finden, schließt sich ihnen an.

Die halbjährige Reise der vier machen die rund 500 Seiten des Buchs aus. Dabei passiert natürlich nichts so wie gedacht. Die kleine Reisegruppe erwartet unstandesgemäße Behandlung: Prügel, Vergewaltigung und Tod, aber auch eine neue, unerwartete Liebe für beide Geschwister. Im Zentrum steht ein Religionskonflikt: zwei Christen und zwei Juden reisen gemeinsam und müssen Wege finden, ihre Verliebtheit mit den Geboten ihrer Religion zu vereinbaren.

Das flandrische Siegel ist wieder süffig, leicht und erfüllt alle Erwartungen an einen historischen Unterhaltungsroman. Die Vorgänger muss man nicht gelesen haben, die Geschichte ist komplett eigenständig.
Mir gefällt, dass Cristen aus dem Familienstammbaum der Cornelis und Contarinis jeweils nur den kurzen Lebensausschnitt herausgreift, der die Entwicklung des unschuldigen Mädchens zur selbstbewussten Frau mit dem richtigen Heiratsabtrag in der Tasche beschreibt.

Dabei sind mir allerdings weder die Figuren, noch die Liebesgeschichte(n) ans Herz gegangen. Auch die Beschreibung der mittelalterlichen Umwelt gelingt nicht sehr eindringlich. Am Ende webt Cristen noch ein wenig Krimi mit ein und es wendet sich schließlich alles zum Guten – der herrische Vater gelobt Einsicht, der böse Hendrik van der Molen erhält seine Strafe und jeder Topf findet einen Deckel. Das ist gefällig – und mit dem Verraten des guten Endes habe ich nicht einmal das Lesevergnügen anderer gestört, denn genau diesen Ausgang hat man schon beim Umschlagen der ersten Seite erwartet. Wieder ein Buch, das sich wunderbar auf der Zugfahrt lesen lässt: und pünktlich zum Ausstieg an der richtigen Station schon wieder vergessen.

Auch gelesen hat’s Birgit Erwin / literaturnetz.com und meint: »Historische Romanze ohne Tiefgang, aber mit Unterhaltungswert«

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