Deutsche Literaturgeschichte

... Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schön, preiswert, beschwingt geschrieben - aber mit Nachgeschmack

Deutsche Literaturgeschichte: Von den Anfängen bis zur Gegenwart

Die Deutsche Literaturgeschichte, von den Anfängen bis zur Gegenwart, das klingt komplett und vollständig, als wenn man danach alles wüsste: vom Mittelalter bis zur Netzliteratur, literarische Erscheinungen bis ins Jahr 2008. Das versprechen auch die 750 Seiten Umfang.

Aber, vielen Dank, nicht nur enge, klein gedruckte Textblöcke, sondern auch ein paar Bilder und eine übersichtliche Seitenaufteilung, bei der oben auf der Doppelseite Kapitel und Unterkapitel stehen und neben dem Textabschnitt das Stichwort, das ihn am besten zusammenfasst. Schöne Typographie, ein stabiler Einband der sich gut und wichtig im Regal macht und gerade so akademisch seriös ist, dass er nicht abschreckt, sondern das Gefühl vermittelt, mühelos und mit Freude etwas Ordentliches lernen.

Besonders an dieser Literaturgeschichte ist, dass ganz stark der historische Kontext eingearbeitet wurde, der das Entstehen der literarischen Werke und Strömungen beeinflusste: für ein Studium mit Schwerpunkt Literatur und Geschichte natürlich ideal.
Diese Literaturgeschichte liest sich natürlich nicht leicht wie ein Roman, aber doch so flüssig und interessant wie ein anspruchsvolleres Lesebuch.

Nach all den guten Eindrücken nun das Ärgerliche: diese siebte Auflage sei von den Autoren »durchgesehen und, wo nötig, stillschweigend verbessert worden«. Wieso ist dann immer noch dieser Fehler im Buch, dass Karl der Große im Jahr 800 in Aachen zum Kaiser gekrönt worden sei, anstatt in Rom?

Ich weiß solche Details natürlich nicht auswendig – dieser Fehler wurde bereits 2005 in der am meisten beachteten Kundenrezension auf Amazon.de angemerkt (zur sechsten Auflage 2001), als nur ein Beispiel »vieler«, »unverzeihbarer hammerharter Fehler«. Nur zwei von fünf Bewertungssternen lässt der Rezensent dem Buch, begründet lediglich auf Oberflächlichkeiten wie »schönem übersichtlichen Design« und den »sehr gut lesbaren« Texten – also genau den Dingen, die mir auch so gut gefallen.

Es ist nicht so, dass die eine falsche Angabe zum Krönungsort Karl des Großen Prüfungen ernsthaft gefährden würde. Und man kann sich auch nicht sicher sein, ob der Rezensent nicht am Ende nur diesen einen »hammerharten« Fehler aufgetan und sich angesichts dieser Entdeckung furchtbar aufgeplustert hat.

Wie aber kann ich mich auf die Autoren eines Studienbuchs verlassen, die seit der letzten Auflage 2001 ausreichend Zeit hatten, diesen Fehler »stillschweigend« zu verbessern, es aber nicht getan haben? Die »hilfreichste Kundenrezension« auf Amazon.de beeinflusst schließlich Tausende Käufer. Das hinterlässt einen vermeidbaren unangenehmen Nachgeschmack zu diesem ansonsten schönen, preiswerten, interessanten und hin und wieder gar humorvollen Werk.

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