Ach, wär ich nur zu Hause geblieben

Nicht nur für Urlauber: Witzige Geschichten rund ums Verreisen

Für mich wurde dieses Buch ja eigentlich gar nicht geschrieben. Denn ich bin dieses Jahr zuhause geblieben und darf mich somit nicht beschweren, eben dieses nicht getan zu haben. Naja, ein paar Tage war ich schonmal weg – in Bayern. Aber so romantisch-verloren wie die Frau im Blümchenkleid auf dem Buchumschlag im Sand herumsteht, so hat man mich dieses Jahr nicht gesehen. Auch kam ich nicht in Kontakt mit irgendwelcher fremdländischer Fauna (gibt es fremdländische Fauna in Bayern?) oder unbekannten Italienisch-Vokabeln, wie die Ich-ERzählerin dieses (Anti-)Urlaubsbuchs.

Diese fürchtet sie sich vor allem Möglichen. Flugangst, natürlich. Aber auch Angst vor nackten, alten Männerbäuchen. Und sie kann ihre sämtlichen Ängste auch noch mit der Phobie-Nachsilbe mal korrekt, mal phantasievoll benennen. So gehen wir mit ihr auf zahlreiche Kurzurlaube (manchmal nur 3 Seiten lang) mit dem Weiber-Freundeskreis und Ex-Freunden, odersitzen mit in der elterlichen Autokolonne, samt Schwestern und obligatorischen Pipi-Pausen. Oder treffen die Onkel- und Tantenschaft bei Familientreffen. Prügeln uns Ferienheim und schlafen im Sechsbettzimmer.

Kerstin Gier hatte ganz ohne Zweifel viel Spaß beim Zusammentragen ihrer Urlaubsanekdoten. Nicht jede ihrer Geschichten steuert unmittelbar auf ein urkomisches Finale hin, aber sie versteht es ganz wunderbar, durch kurze Dialoge Situationen auf den Punkt zu treffen. Dieses Buch lohnt sich auch für Heimgekehrte und Daheimgebliebene, zumal die Hauptsaison nun fast vorbei ist.

Wenn man daheim nun liest, wie im Versteck lauernde Skorpione die Nachtruhe zerstören, man rund um den Globus unvermittelt ungeliebten Menschen begegnet oder gar Montezumas Rache unbarmherzig um sich greift, dann erinnert man sich dank dieser Lektüre nur zu gerne daran, warum das so ganz gut ist.

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