Fortsetzung folgtDie Fernsehserie – stets zur selben Zeit am selben Tag, mit festen Charakteren, zur Identifikation und Abschreckung, voll Moral oder Antimoral, Abenteuer und Alltagsbewältigung. Serien sind Erfolgsgaranten und haben schon so manchen Sender aus dem Quotentief oder gar vom Sender-Einerlei in die erste Reihe geholt (wie etwa 21 Jump Street beim US-Sender FOX). Klar, dass gute Autoren für diese Fernsehnische immer gesucht werden.

Wie die Branche aussieht, soll uns dieses Buch zeigen. Geschrieben von einem Dozenten der HFF München und Drehbuchschreiber (was er “der Vollständigkeit halber” auch nicht müde wird, zu erwähnen) führt es den Leser von den etablierten Serienstoffen (und deren Geschichte und Vertreter) über das aktive Schreiben eines Seriendrehbuchs bis zum Einstieg in den Beruf.

Dies ist für alle, die (Serien-)Drehbuchschreiben ernsthaft in Betrachtung ziehen eine spannende Einführung, es irritiert lediglich die Angewohnheit des Autors alles in Klammern zu setzen, auch da wo – grammatisch – keine sein dürften, vor allem Ausrufezeichen, oder auch mal ein elitäres “sic!”. Auch kleinere Recherchefehler verzeiht man gern (etwa: Bill Cosby in der “Bill Cosby Show” habe “zwei wunderbare Kinder” – eigentlich sind es fünf (sic!)).

Dieses Buch hält vor allem für Einsteiger tolle Tipps bereit und regt an, sich einige der Serien-Geheimtipps auf DVD auszuleihen (nicht nur zu Studienzwecken), und – natürlich – das erste eigene Serienkonzept auszuarbeiten.

Ich schreibe die nächste “Lindenstraße”!

AmokspielEin dunkler Umschlag, bedrohlich schweben schwarz-rote Wolken über dem Berliner Fernsehturm. Amok Spiel steht in großen roten Lettern darauf, zwei kurze Begriffe, einer suggeriert Wahnsinn und Tod, der andere steht für unschuldiges Vergnügen. Auf dem ersten Blick klar: das ist ein Psychothriller.

Während die Kriminalpsychologin Ira ihren Selbstmord plant, nimmt anderswo in Berlin ein Mann Geiseln bei einem populären Radiosender. Denkbar grausam verkündet er »On Air« seine Spielanleitung: Per Zufallsprinzip ruft er eine Nummer in Berlin an. Der Angerufene muss dann eine bestimmte Parole sagen. Sagt er diese korrekt auf, wird eine Geisel freigelassen. Wenn nicht, muss sie sterben. Als sei der Fall nicht schon verzwickt genug, will der Mann sein »Amok Spiel« erst dann einstellen, wenn seine Verlobte zu ihm ins Studio kommt. Diese, so lässt man den Leser wissen, ist jedoch längst tot …

Eine gute Basis für einen Psychothriller. Wie lässt sich diese Diskrepanz auflösen? Was kann die selbstmordgefährdete Ira erreichen und wie wird sich ihr Charakter im Lauf der Geschichte entwickeln? Es beginnt spannend und auch mit den stereotypen Figuren kann man sich irgendwie abfinden.

Der Autor beherrscht die gängigen Spannungskonventionen, er lässt pünktlich zu Kapitelende eine Waffe ziehen, holt unvermittelt einen bisher Unbeteiligten in den Verdächtigenkreis, erschießt eine Geisel. Doch leider laufen weder die Fäden reibungslos zusammen, noch zeichnet sich das Buch durch einen guten Stil aus. Wenn es leichte Unterhaltung sein soll, wenn man keinen Wert auf präzise Charakterzeichnung legt, sondern einen atemlosen Action-Thriller in Buchform sucht, ist man bei diesem Buch genau richtig.

Ein Geiseldrama in Berlin