Der Puppensammler„Die intellektuelle Bildung soll in keiner Weise dazu führen, dass der große Schatz, den unser deutsches Volk in der Herzensreinheit und Gemütstiefe deutscher Frauen und Mädchen allezeit hochgehalten hat, irgendwie noch eine Beeinträchtigung erfahre“, beruhigt der preußische Kultusminister im Oktober 1908 die konservativen Gemüter. Gerade wurde im Bundestag beschlossen, dass von nun auch Frauen in Universitäten ihren “Verstand fördern” dürfen.

Cecilie, die gutbürgerliche Heldin des Romans “Der Puppensammler” ahnt 1878 davon noch nichts, als sie mit ihrem offenbar unmöglichem Traum Medizin zu studieren, der drohenden (weil arrangierten) Hochzeit mit einem Baron entflieht – und dabei in einen Keller gerät, in dem Leichen seziert werden. Der Gerichtsmediziner Hektor von Thorwald hat gerade eine aufwändig hergerichtete Frauenleiche unterm Messer und stellt Cecilie als Assistentin ein, nachdem diese weder beim Anblick des aufgeschnittenen Cerrebrums noch bei abgetrennten Brüsten zusammenklappt.

Als noch weitere puppengleich hergerichtete Mädchen auftauchen, wird das ungleiche Team zunehmend in die Mordermittlung verwickelt. Bis Cecilie sogar ihren ungeliebten Verlobten des Mordes verdächtigt …

Mila Lippke hat einen unkomplizierten historischen Roman erschaffen, garniert mit politischen und gerichtsmedizinischen Elementen. Dass die Autorin aus dem Drehbuch-Genre stammt merkt man der Geschichte an, die sehr auf das Vorantreiben der Handlung bedacht ist und die Beschreibung von Orten und Personen der Fantasie überlässt. Leider laufen die Handlungsstränge nicht immer zusammen und ihre Figuren bleiben eindimensional, so dass die Geschichte nicht lange im Gedächtnis bleiben wird. Trotzdem: Ein Buch, das ich bis zum Schluss nicht (für lange) aus der Hand gelegt habe. Bleibt nur die Frage – was ist mit jenem blonden Haar auf der Leiche geschehen?

Frauenzimmer, Serienmörder und Sozialismus im Kaiserreich!

Fortsetzung folgtDie Fernsehserie – stets zur selben Zeit am selben Tag, mit festen Charakteren, zur Identifikation und Abschreckung, voll Moral oder Antimoral, Abenteuer und Alltagsbewältigung. Serien sind Erfolgsgaranten und haben schon so manchen Sender aus dem Quotentief oder gar vom Sender-Einerlei in die erste Reihe geholt (wie etwa 21 Jump Street beim US-Sender FOX). Klar, dass gute Autoren für diese Fernsehnische immer gesucht werden.

Wie die Branche aussieht, soll uns dieses Buch zeigen. Geschrieben von einem Dozenten der HFF München und Drehbuchschreiber (was er “der Vollständigkeit halber” auch nicht müde wird, zu erwähnen) führt es den Leser von den etablierten Serienstoffen (und deren Geschichte und Vertreter) über das aktive Schreiben eines Seriendrehbuchs bis zum Einstieg in den Beruf.

Dies ist für alle, die (Serien-)Drehbuchschreiben ernsthaft in Betrachtung ziehen eine spannende Einführung, es irritiert lediglich die Angewohnheit des Autors alles in Klammern zu setzen, auch da wo – grammatisch – keine sein dürften, vor allem Ausrufezeichen, oder auch mal ein elitäres “sic!”. Auch kleinere Recherchefehler verzeiht man gern (etwa: Bill Cosby in der “Bill Cosby Show” habe “zwei wunderbare Kinder” – eigentlich sind es fünf (sic!)).

Dieses Buch hält vor allem für Einsteiger tolle Tipps bereit und regt an, sich einige der Serien-Geheimtipps auf DVD auszuleihen (nicht nur zu Studienzwecken), und – natürlich – das erste eigene Serienkonzept auszuarbeiten.

Ich schreibe die nächste “Lindenstraße”!

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