Warum Tränen salzig schmeckenDas Cover sieht lax aus, wie ein Buch, das sich ideal als Klo-Lektüre eignet. Mit kurzen und bekömmlichen Anekdoten rund um die Geheimnisse des Alltags, Dinge, die eben kaum ein Mensch weiß, etwa: Warum regnet es?

Beim Durchblättern ändert sich dieser erste Eindruck allerdings: Nicht nur ist die Schrift hochgeistig klein gehalten, auch beunruhigend viele Grafiken mit noch beunruhigenderen Bezeichnungen wie “Visueller Assoziations-Cortex”, Phosphodiesterase oder gar “Spontane Depolarisation in der Diastole”.

Natürlich ist auch der Inhalt nicht ohne; nein, so nebenbei auf der Toilette liest sich das nicht. Dabei sind die Titel noch so harmlos einfältig: “Wer ist der Sandmann?” oder “Wer knipst die Pumpe an und aus?” Und dann geht sie los, die Schulbuch-Naturwissenschaft 13. Klasse. Aber: Hier werden Fragen beantwortet und Vorgänge im Detail beschrieben, die richtig wissenswert sind. Warum man sich nicht selbst kitzeln kann und dass die Zunge mehr kann, als man sich so vorstellt. Wie der Mensch Schrift verarbeitet (Unser Gehirn, der Hochleistungscomputer) und wie fremdgesteuert wir tatsächlich sind. Der Körper wird ganz anders wahrgenommen, wenn man mit einem Mal soviel über ihn weiß.

Auch ein Argument für die (Lebens-)Notwendigkeit des Chaos findet sich. Schade, dass ich das zu Schulzeiten noch nicht parat hatte. Schade auch, dass ich vor ein paar Jahren so etwas noch nicht gelesen hätte. Vielleicht wären es dann doch mehr als drei Punkte in Biologie geworden.

Darf ich vorstellen: Dein Körper

Asterix entdeckt die WeltIch hab sie alle. Nicht nur gelesen, sondern auch allesamt vorrätig (bis vielleicht auf die letzten zwei oder drei). Neulich erst aufwändig mit haufenweise Tesafilm restauriert, die zerlesen sich ja mit der Zeit. Ich rede von den Asterix-Heften, so heißen sie bei uns. In ihnen las ich zum ersten Mal von den unfreundlichen Goten (Ur-Deutsche, wie sich später herausstellte), erfuhr von den olympischen Spielen und lernte, dass die Einwohner von Korsika den Tag grimmig auf Bänken sitzend verbringen.

Nun lerne ich etwas von den Autoren dieses Buches: z.B. dass es ein Niederländisches Zentrum für Asterix-Forschung gibt. Dort haben die beiden Altertumswissenschaftler über den Asterix-Comics gebrütet und nach den vielen Details gesucht, die Uderzo und vor allem Goscinny nach eingehender Recherche in ihre Geschichten eingebettet haben. Mehrere Asterix-Klassiker haben van der Vegt und van Royen dazu genutzt: die Bände Asterix bei den Briten, in Spanien, bei den Olympischen Spielen um die genaue Darstellung der Länder (z.B. Architektur und menschliche Eigenheiten) aufzuzeigen und ein paar Bände die Rom als Mittelpunkt haben, wie etwa “Die Lorbeeren des Cäsar”.

Sie erzählen teilweise die Geschichten mit Hilfe der Bilder aus dem Comic nach und suchen dabei nach Gründen warum Obelix das britische Bier nicht schmeckt, warum die Gallier gerne ausschlafen und wie viel die Darstellung der olympischen Athleten mit der damaligen Realität zu tun hat. Irgendwie hat man es ja schon immer geahnt, dass die Welt vor 2000 Jahren genauso aussah wie in den Comics – aber dank diesem Buch wird erst deutlich, wie viel intensive Recherchearbeit betrieben wurde, nur um das ganze Wissen dann in unzählige und unauffällige Details zu stecken, wie einen Gesichtsausdruck oder eine Statue. Sie sollten zur schulischen Pflichtlektüre gemacht werden! Sicher ist: Wenn ich die Bände das nächste Mal lese, werde ich sie mit ganz anderen Augen sehen. Vielen Dank dafür!

Asterix, Obelix und die Welt vor 2000 Jahren