Sieht aus wie ein Roman. Man hat sich auch nicht die Mühe gemacht, einen anderen Eindruck zu erwecken. Dabei ist es doch ein Reisebuch! Oder? “Was für eine aussagelose Kategorie!” beklagt Bruce Chatwin (brit. Schriftsteller) im Vorwort, und wie Recht er hat.
Es ist ein Buch aus den 50ern, erlebt kurz nach Kriegsende und enthält somit natürlich keine aktuellen Hotelempfehlungen. Nein, Sybille Bedford will einfach was von der Welt sehen und so macht sie sich mit ihrer Freundin auf den Weg nach Mexiko, stets auf der Suche nach Abenteuern, und zeichnet aus ihren Erinnerungen ein derart vorurteils- und klischeefreies Bild von Mexiko und den Mexikanern, wie ich es in zeitgemäßen Reiseführen und Berichten noch nie erlebt habe. Man hört, schmeckt und sieht Mexiko, erfährt seine Geschichte, lernt seine Menschen kennen und alle damaligen Trends, erkennt das heutige Mexiko im alten wieder.
Der erste Eindruck von Mexico-City ist sinnlich, unendlich sinnlich. Sonne, Höhe, Bewegung, Gerüche, Lärm. Und ein Entrinnen ist unmöglich. Es gibt keinen abgeschirmten Zufluchtsort, es hilft nichts, im Hotelzimmer zu sitzen und sich mit Reiseführern zu beschäftigen. Es ist da, man ist mittendrin.
Dieser geradlinige Stil, spritzig, schnörkellos, charmant, humorvoll! Jeder, der Mexiko ebenso liebt wie ich, muss dieses Buch sowieso lesen. Auch diejenigen, die nach Mexiko reisen und dabei noch das Bild des unterm Kaktus dösenden Machos mit Sombrero im Kopf tragen. Und alle anderen auch. Vielen Dank an den Verlag für diese Neuauflage!