Zukunft Gehirn: Neue Erkenntnisse, neue Herausforderungen von Peter Gruss und Tobias Bonhoeffer»Und, was liest du gerade?« – »Zukunft Gehirn.« Ist nicht Stieg Larsson, klingt auch ziemlich blöd. Sucht man sich nicht unbedingt aus, als Freizeitlektüre. Schon das Umschlagmotiv, die eingefärbten Hirnareale. So ein Gehirn ist auch nicht besonders schön, und eigentlich möchte ich mir nicht permanent vergegenwärtigen, dass das Ding in meinem Kopf schwimmt.

Es steht fest: das Gehirn steuert uns, seien es Entscheidungen, Emotionen, oder die Partnerwahl. Man hört sogar, dass wir das gar nicht selbst beeinflussen können, keinen freien Willen haben. Ich wollte wissen, wie das funktioniert.

Das vorliegende Buch ist ein Lesebuch über das Gehirn. [...] Die Kapitel greifen einzelne relevante oder auch besonders faszinierende Aspekte der Gehirnforschung auf und versuchen so dem Leser, gewissermaßen Häppchenweise, moderne Hirnforschung nahezubringen.

Mir ist neulich bewusst geworden, dass ich mir elementare Dinge unseres Daseins und Denkens nicht erklären kann, das Erinnern, das Entscheiden, oder einfach Dinge wie Spazierengehen, während ich das Handy am Ohr hab und gleichzeitig zum Beispiel ein Feuerzeug in meiner Tasche suche. Tatsächlich eine Hochleistung, die kein menschengebauter Computer zu leisten vermag, laut dem Lese-Fachbuch, geschrieben von »Spitzenwissenschaftlern der Max Planck Gesellschaft«.

Der Robo-Rezeptor ist bereits auf den Axonen der Kommissurenzellen angereichert, wird aber zunächst durch einen Antagonisten daran gehindert, die wachstumshemmende Funktion von Slit zu vermindern. Erst nach Überquerung der Mittellinie wird der Antagonist abgeschaltet, und der Robo-Rezeptor fördert die Abstoßung von der Mittellinie; gleichzeitig sorgt die Aktivität von Robo dafür, dass der attraktive Netrinrezeptor, der ebenfalls auf den Axonen der Kommissurenzellen angereichert ist, blockiert wird.

OK, das erste Kapitel muss man überstehen, es erklärt die Funktion und Entwicklung des Gehirns. Ist auch nicht zu erwarten, dass das einfach ist. Zum Glück sind alle Kapitel unabhängig voneinander lesbar (Inhaltsverzeichnis und Leseprobe).

Wer mehr über sein Gehirn erfahren will, muss sich auch von einigen Vorstellungen verabschieden können, so ist beispielsweise Farbe ein Konstrukt des Gehirns, und generell generiert das Gehirn eine interne Repräsentation der Welt, eine reine Einschätzung der Wahrheit, derer “limitierten Natur” man sich stets bewusst sein sollte – wenn man glaubt, einen Sachverhalt ganz sicher so gesehen zu haben, beispielsweise.

Ein spannendes, faszinierendes Buch, nicht ganz einfach, aber bei konzentriertem Lesen immer nachvollziehbar. Ich habe es mit in den Urlaub genommen und kaum aus der Hand gelegt. Mit Sicherheit kann ich mir nur wenig davon merken – und noch weniger erklären – während des Lesens machen aber selbst kryptische Aussagen wie diese Sinn: »Zeit ist manchmal Raum und manchmal nicht. Bewusst können wir das nicht steuern.«

Was ist Kultur | C.H. BeckWas ist Kultur – dass diese Frage nicht so einfach beantwortet werden kann, ist zu befürchten. So einen Begriff zu umreißen verlangt nach vielen Denkansätzen, Querverweisen und Buchseiten. Umso erfreulicher ist es, dass diese Einführung  mit weniger als 200 Seiten auskommt. Der Oxford-Professor Terry Eagleton beginnt ähnlich wie Wikipedia. Dort steht einleitend: »Kultur (zu Lateinisch cultura, „Bearbeitung“, „Pflege“, „Ackerbau“, von colere, „wohnen“, „pflegen“, „den Acker bestellen“) ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur«.

Eagleton führt den Leser trotz weniger Seiten weit an den Begriff heran, zunächst etymologisch, betrachtet also Herkunft und Geschichte des Wortes, analysiert Kulturtheorien und dann soziale und politische Bezüge von heute (Kapitalismus und Globalisierung), wobei das Buch seit der Erstauflage 2001 vermutlich nicht mehr überarbeitet wurde.

Eagleton vereint zahlreiche Blickwinkel und breites Fachwissen und Fachvokabular, um schließlich die Frage nach Begriff und Bedeutung von Kultur geradezu volkstümlich und sentimental zu beantworten: »Kultur ist nicht nur das, wovon wir leben. In erheblichem Maße ist es auch das, wofür wir leben. Liebe, Beziehung, Erinnerung, Verwandtschaft, Heimat, Gemeinschaft, emotionale Erfüllung, geistiges Vergnügen, das Gefühl einer letzten Sinnhaftigkeit – dies alles steht den meisten von uns im Grunde näher als die Charta der Menschenrechte oder Handelsverträge« (Inhaltsverzeichnis und Leseprobe).

Was Kultur also leistet, ist, dass sie aus vielen sektiererischen politischen Individualitäten eine gemeinsame Humanität destilliert; dass sie den Geist aus der Haft der Sinne erlöst, dem Zeitlichen das Zeitlose entwindet und der Vielfalt die Einheit entreißt.

»Leicht und witzig geschrieben« sei das Buch, eine »intellektuelle Lockerungsübung«, so steht es im Beschreibunstext des Einbands. Fragt sich, welcher Bildungshintergrund nötig ist, um die Lektüre als eine Art amüsanten und geistig anregenden Zeitvertreib zu empfinden. Ausgestattet mit einem geisteswissenschaftlichen Grundvokabular kommt man zwar damit zurecht – aber »leicht und witzig«?

Vermutlich bezieht sich das auf Eagletons Bemühen, den einen oder anderen ungezwungenen Kommentar zu machen: so vergleicht er im Kapitel Kulturkriege den Westen mit einem »gekränkten Goliath«, der es dem» frech auftrumpfenden David« (andere Nationen, die im Zuge der Globalisierung emporkommen) schon noch zeigen werde. Man kann ja mal an entsprechender Stelle (intellektuell) vor sich hin lächeln.